Dienstag, 12. April 2016

Über die Langeweile und die Prokrastination

Gestern ging für mich die Uni wieder los, zweites Semester. Ich habe mich schon fast darauf gefreut, weil ich mich in den fast 3 Monaten Semesterferien fast zu Tode gelangweilt habe. Den ganzen Tag saß ich zu Hause und habe nichts getan und Sonntag war ich fast froh, dass diese Zeit jetzt vorbei ist.
Dann habe ich meine Liste gefunden, was ich in der freien Zeit tun wollte. Und? Kaum etwas habe ich getan. Obwohl ich mich unglaublich gelangweilt habe, habe ich nichts von den Dingen getan, die ich schon ewig machen wollte und wofür ich mir jetzt die Zeit hätte nehmen können. Habe ich Gitarre spielen gelernt? Nein. Habe ich Spanisch gelernt? Nicht wirklich. Habe ich meine Zeit wenigstens zum übermäßigen Lesen genutzt? Nicht mal das kann ich behaupten.
Aber warum nicht? Wieso habe ich scheinbar so eine Abneigung dagegen, etwas sinnvolles mit meiner Zeit anzufangen? Daran hat es mir nun wirklich nicht gemangelt und ich kann mich eindeutig nicht damit herausreden, dass ich mich entspannen musste. Ich habe dieses Semester nicht mal Klausuren geschrieben oder etwas anderes getan, von dem ich mich erholen müsste. Aber trotzdem...

Es ist Dienstag Vormittag und ich sitze zu Hause. Ich habe dieses Semester kein Ergänzungsfach belegt und muss nur wenig Zeit in der Uni verbringen, sodass ich Dienstag und Mittwoch einfach frei habe. Andere würden das genießen und die Zeit gut nutzen, aber ich sitze jetzt hier und weiß nichts mit mir anzufangen.
In meinen Regalen stehen hunderte Bücher, die ich lesen könnte, meine Steam Bibliothek und die Sammlung meines Bruders geben sicher über hundert Spiele her, die ich spielen könnte, auf meiner netflix Watchlist stehen unglaublich viele Filme und Serien, die ich schon ewig sehen wollte, wozu ich aber noch nicht gekommen bin.
An Zeit mangelt es mir jetzt nicht. Aber an Motivation.

Woran liegt es, dass ich plötzlich keine Lust mehr habe, Dinge zu tun, sobald sich mir die Möglichkeit bietet? Ich denke, ich habe mich in den letzten Jahren immer mehr ans Prokrastinieren gewöhnt. Daran, die Dinge möglichst lange aufzuschieben und erst in der letzten Sekunde zu machen - wenn überhaupt. Das bietet zwar keinerlei Vorteile, aber doch tue ich es. Alles, was mir sinnvoll erscheint, wird schon aus Prinzip vermieden und ich weiß absolut nicht, wieso oder was ich dagegen tun kann. Ich arbeite schon daran, aber allzu gut klappt es immer noch nicht, zumindest nicht immer.
Ich mache mir schon für jeden Tag eine To-Do-Liste, damit ich am Ende des Tages sehen kann, dass ich etwas sinnvolles getan habe, aber manchmal ist das einfach nicht der Fall.

Dabei hängt es sehr davon ab, wie ich den Tag begonnen habe. Wenn ich schon bis mittags im Bett liege und mich danach direkt an den Computer setze und schaue, was der Rest der Welt so treibt, stehen die Chancen verdammt schlecht, dass ich danach noch etwas produktives tue. Wenn ich dann nachmittags auf die Uhr schaue und sehe, dass der Tag schon halb vorbei ist, scheint es mir, als wäre das Zug abgefahren. Das ist zwar absolut nicht der Fall, denn damit bleiben immer noch 6-9 Stunden, in denen ich theoretisch super viel schaffen könnte, aber das verstehen mein Kopf und meine Motivation nicht.
Wenn ich dagegen, auch wenn ich ausschlafen könnte, relativ früh aufstehe und danach Handy und Computer erst mal links liegen lasse, weiß ich schon, dass der Tag mit viel größerer Wahrscheinlichkeit ein Erfolg wird. Ich lese dann schon beim Frühstück am offenen Fenster, höre zu, wie die Vögel zwitschern und bleibe dann gleich am Schreibtisch sitzen, um etwas für die Uni zu machen. Wenn ich an solchen Tagen dann mittags merke, wie viel ich schon gemacht habe, habe ich oft richtig Motivation, so weiterzumachen - und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm, weil ich dann zumindest schon ein bisschen was geschafft habe.

Ich denke, das ist einfach eine Einstellungssache. In der Schule habe ich mir angewöhnt, die Hausaufgaben bis zur letzten Minute rauszuschieben, weil ich keine Lust darauf hatte und das habe ich jetzt einfach für alle Dinge übernommen, die ich mir vornehme. Selbst, wenn es etwas positives ist. Auf meiner Liste für heute steht zum Beispiel "Vampire Diaries gucken", weil ich das in den letzten Wochen ein paar mal verpasst habe und nun nachholen muss, bevor es im Fernsehen weitergeht. Ich finde die Serie super, auch wenn sie nicht mehr so gut ist, wie in den ersten Staffeln, aber trotzdem habe ich automatisch keine Lust mehr, sobald es auf meiner Liste mit Dingen steht, die getan werden "müssen".
Ich hoffe sehr, dass ich meine Einstellung dazu bald ändern kann, schließlich führt das alles ja nur zu unnötigem Stress, den ich mir selbst mache. Auf jeden Fall arbeite ich daran, den Kampf gegen die Gewohnheits-Prokrastination zu gewinnen.

Habt ihr auch Probleme damit? Oder vielleicht sogar Tipps?

Kommentare:

  1. Genauso geht es mir auch und ging es mir schon immer. Bis mittags im Bett liegen bleiben kann ich zwar nicht wegen 3 kleinen Kids, aber dafür türmen sich z.B. die Wäscheberge, die zusammengelegt werden müssten und abends schaue ich lieber ein Video als zu einem Buch zu greifen, obwohl ich mir was anderes vorgenommen habe...
    Ich mache mir auch To-Do-Listen, aber da pack ich meist so viel drauf, dass das schon wieder demotivierend wirkt.
    2 Tipps hätte ich allerdings, die bei mir wirken:
    1. Einen positiven Tagesablauf (mit dem du am Ende des Tages zufrieden sein kannst) Gewohnheit werden lassen. Gewohnheiten lassen sich viel einfacher bewältigen als Listen.
    2. Sich zwingen, aufzustehen und anzufangen. Denn hat man erst mal angefangen, ist man in diesem Energieschub drin und möchte die nächsten Stunden gar nicht mehr aufhören. ;)

    Aber auch rumgammeln ist mal wichtig, man sollte sich dafür bewusst Zeit nehmen, sonst gibt es bald wieder diese Tage, an denen man gar nix schafft. Ich versuch mir die Gammelzeit vor dem Laptop extra so zu legen, dass sie automatisch beendet wird, weil ich nachmittags zur Kita pünktlich muss oder der Kochtopf fast überkocht etc. Ist man erst mal wieder aufgestanden und dem Sog des Laptops entflohen, geht es leichter wieder was Sinnvolleres zu tun.
    Kleine Belohnungen und sich fertig machen morgens (auch wenn man nicht vor hat das Haus zu verlassen, man fühlt sich dennoch anders und motivierter) helfen mir außerdem.

    Viel Erfolg. :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das hilft mir schon mal sehr! Das mit den Gewohnheiten versuche ich momentan, indem ich zum Beispiel immer etwa zur gleichen Zeit Sport mache, damit ich es nicht endlos vor mir herschiebe. Klappt auf jeden Fall schon mal besser als vorher :)
      Das andere finde ich auch super, die Gammelzeit vor Termine zu legen, wo man pünktlich sein muss. Da werde ich mal drauf achten.
      Vielen Dank für die tollen Tipps!

      Löschen
  2. Hey Jacquy,

    hmm, also ich habe ja leider kaum noch Gammeltage. Meine Studentenzeit ist aber auch schon ein paar Jahre her und selbst während der 3 Jahre Studium hatte ich kaum Freizeit, da das Studium extrem anstrengend war und nebenher dann noch arbeiten gehen und teilweise auch Hausarbeiten schreiben. Da muss man sich irgendwie organisieren.

    Jetzt arbeite ich Vollzeit und die gesamte Freizeit ist gut gefüllt. Um deine viele freie Zeit beneide ich dich wirklich, aber ich kann verstehen, wenn man dann in so ein Gammelloch rutscht und gar nichts mehr macht. :(

    Was ich machen würde: Immer früh aufstehen, sagen wir mal spätestens um 9 Uhr, dann hat man einfach mehr vom Tag.

    Nach dem ersten Kaffee/Tee/Frühstück direkt eine eher unliebsame Aufgabe der To-Do-Liste machen wie Putzen. Danach etwas tolles machen wie Lesen. :) Obwohl ich meistens die doofen Sachen direkt am Vormittag erledige wie Haushalt. Dann kann ich den restlichen Tag etwas entspannter angehen. :)

    Nun hoffe ich, du findest aus dem Kreislauf raus und bist wieder mehr mit dir und deiner Zeit zufrieden. :)


    Liebe Grüße,
    Anna

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das höre ich häufiger. Bei der Freizeit kommt es wohl wirklich seeehr darauf an, was man studiert. Ich habe wie gesagt kaum etwas zu tun, aber ich kenne auch jemanden, der Medizin studiert und von der ersten Woche an keine freie Minute mehr hatte. Echt interessant, was es da für Unterschiede gibt.
      Früh aufstehen versuche ich jetzt auch, aber nach so langen Ferien ist das immer schwer, wieder normal in den Rhythmus reinzukommen und auch zu bleiben.
      Direkt morgens das machen, was man sonst vor sich herschieben würde, ist auch ein guter Tipp.
      Dankeschön! :)

      Löschen
  3. Vorhänge aufziehen und erstmal einen Kaffee machen!
    Das hilft bei mir immer! :)

    XX,
    Photography & Fashion Blog

    CHRISTINA KEY
    www.CHRISTINAKEY.com

    AntwortenLöschen
  4. Hey :)
    Ohja , ja ! Damit habe ich auch unglaubliche Probleme :D Aber bei mir haperts dann meistens schon am frühen austehen. Wenn ich morgens um 10 Uni hab dann bin ich auch meistens für den restlichen Tag aktiv und produktiv aber wenn ich, wie du sagst, erst mittags aus dem Bett komme, stehen die Chancen nicht gut, dass ich mich noch fange.

    Allerdings kommts dann bei mir auch immer noch drauf an was ich so machen muss. Manchmal sind es Dinge, die ich eigentlich nicht machen will, wie zum Beispiel eine Hausarbeit schreiben/dafür lesen ... aber dann setze ich mir meistens ein Tagesziel. Sage zum Beispiel ich will mindestens 2 Quellentexte lesen und dann kann ich i-was anderes machen :D Klappt meistens, aber bei weitem nicht immer!

    Ich finde To-Do Lists sind schonmal ein guter start :)

    Zu deinem Kommentar unter meinem Neuzugängepost: Natürlich kenne und liebe ich 1984 :) Deshalb hab ich mich auch gefreut, dass ich mir eine neue Englische Edition kaufen "musste" :D
    "The Day of the Triffids" hängt bei mir gerade so ein bisschen. Ich glaube zwar es wird sehr gut aber im Moment bin ich nicht in der Stimmung dazu und hab zu viel anderes im Kopf (aka Unistart, kennst du ja vllt ;) ) und meine Professorin meinte, dass es erst gegen Ende des Semesters gelesen werden muss und ... naja procrastination ;) Passt ja!
    Was Stephen King angeht, ich hab jetzt erstmal angefangen "Bazaar of Bad Dreams" zu lesen weil Short Stories diese Woche auch zwischen der Uni mal gut gepasst haben außerdem bin ich in einer richtigen Horror-Stimmung :) Sein Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedrüftig, was das angeht weiß ich nicht ob er jemals einer meiner Favoriten wird, aber seine Ideen haben schon was :D

    Soo ich hoffe, dass dieses Semester für dich gut läuft :) Ich hab nur Dienstag und Donnerstag Uni ... oops :D Aber eigentlich genug zu tun nebenbei, Hausarbeiten und Bachelorarbeit und uns wurde diese Woche gesagt, dass wir ein Portfolio machen müssen bei dem es am besten um ein Medienprojekt gehen sollte (immerhin heißt mein Studiengang English Literature and Media ... also naheliegend :D ) Da freue ich mich zwar schon sehr drauf und sprudle vor Ideen aber bin mal gespannt wie ich das organisiert bekomme.
    Aber da verstehe ich dich auch wieder. Immer schiebt man alles ewig auf und dann am Ende hat man riesen Stress und denkt man schafft nicht alles. Aber naja .... genug gejammert :)

    Hoffe dir gehts in deiner freien Zeit gut ;) Mach dir nicht zu viel Stress :)

    Liebste Grüße, Katharina - die heute auch mal wieder nichts geschafft hat also ... ich muss grade Ratschläge verteilen ;)

    AntwortenLöschen