Freitag, 16. September 2016

Classic Confessions #16 - Brauchen wir Klassiker in der Schule?


Heute hat sich Antonia mal wieder eine Frage ausgedacht, zu der man sicher selbst einen ganzen Roman schreiben und sie stundenlang diskutieren könnte. Ich versuche aber mal, mich da in meiner Antwort selbst etwas einzuschränken.

Ja, ich denke schon, dass Klassiker in der Schule gelesen werden sollten. Auch wenn das nicht immer so ersichtlich ist (und vielleicht auch gar nicht die Intention des Autors war, wenn wir mal ehrlich sind), haben Klassiker doch oft noch etwas zu sagen, was auch heute noch relevant ist. Das trifft natürlich mal mehr, mal weniger zu. Fakt ist aber, dass man dadurch einiges über das Leben in frühere Epochen erfährt und niemand kann leugnen, dass das nicht wenigstens ein bisschen interessant ist. Dabei sind das ja auch oft völlig normale Leute und dadurch erfährt man viel mehr über das wirkliche, durchschnittliche Leben als im Geschichtsunterricht, wo grob gesagt nur noch die Könige und Politiker eine wirkliche Rolle spielen.
Gerade wenn es um das Thema Nationalsozialismus geht, ist ein Roman doch viel ansprechender als harte Fakten und spricht einen außerdem viel mehr persönlich als Mensch an und gerade bei diesem Thema ist das einfach wichtig. Dass man nicht nur informiert wird, sondern auch mitfühlt und sich Gedanken darüber macht.

Davon abgesehen haben viele Geschichten auch eine Moral, die mal mehr, mal weniger versteckt ist. Fragt mich nicht, was genau uns "Bahnwärter Thiel" sagen wollte - ich habe keine Ahnung - aber (ja, ich erwähne das Buch konsequent in jedem Beitrag) "Die Physiker" zum Beispiel hat eine völlig klare und wichtige Aussage, über die man sich Gedanken machen sollte und das tut man auch, wenn man es gelesen hat. "Kabale und Liebe" kann man auch sehr gut hinterfragen und sich Gedanken darüber machen, wie wir im Deutschunterricht festgestellt haben und sollte es nicht einfach so hinnehmen.
Auch wenn die meisten keine Fans dieser Analysen sind, die man bis zum Umfallen machen muss, finde ich das eigentlich gar nicht so schlecht. Mal völlig davon abgesehen, dass ich das total gerne gemacht habe: So lernt man einfach, sich mit dem gelesenen zu beschäftigen, es besser zu verstehen und auch mal zwischen den Zeilen zu lesen. Damit meine ich aber natürlich nicht, dass man seine Freizeitlektüre immer mit Textmarker in der Hand lesen und sich Notizen machen sollte.

Generell finde ich es aber wichtig, Klassiker zu lesen. Sie müssen ja auch nicht immer eine Qual sein, wie mir sicher alle zustimmen werden, die sich an der Aktion beteiligen. Ein guter Kompromiss wäre, die Schüler wählen zu lassen, welches Buch sie lesen möchten. Da hat man dann wenigstens die Illusion, dass das Buch freiwillig gelesen wird und kann vielleicht aus einer Liste das aussuchen lassen, was den größten Teil der Schüler persönlich vom Thema her am meisten anspricht.

Wie seht ihr das? Habt ihr auch zu den Klassiker-Hassern gehört oder fandet ihr sie okay, wolltet es aber nicht zugeben? :P

Kommentare:

  1. Tatsächlich wäre deine Idee, die Schüler die Klassiker wählen zu lassen, gar nicht so schwer umsetzbar und ich finde diese Idee ebenfalls sehr ansprechend. Zumindest in der Sek. 1 bis Klasse 10 gibt es Literaturempfehlungen für Lehrer, generell ist der Lehrer eigentlich frei darin, was er liest und lesen lässt. Dagegen spricht allerdings aus der Lehrperspektive, dass der Lehrer sich jedes Jahr für mehrere Klassenstufen in neue Literatur einlesen und dafür Stunden konzipieren muss. Von daher kann ich es als Lehreranwärter gut verstehen, dass die Lehrer Bücher/Klassiker vorgeben.

    Das Klassiker zum Deutschunterricht gehören, steht für mich außer Frage. Die "großen Klassiker" beeinflussen uns auch heute noch. Schließlich sagen wir nicht umsonst "Es ist was falsch im Staate Dänemark" (aus Shakespeares Hamlet) ;). Und gewisse Themen sind auch heute noch aktuell - umso interessanter kann es also sein, die heutige und damalige Perspektive zu vergleichen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genau, solange es keine zentralen Prüfungen gibt, die überall gleich sind, ist man bei der Lektüre ja flexibel.
      Da hast du natürlich recht, aber man muss ja auch nicht völlig frei wählen lassen, sondern könnte ja beispielsweise 5 Stück zur Auswahl stellen, die dann auch jedes Jahr gleich sein können. Dann hält sich die Vorbereitung noch in Grenzen, aber einen gewissen Freiraum gibt es trotzdem noch. Ich denke, das wäre ein machbarer Kompromiss.

      Für mich auch, ich wüsste ehrlich gesagt gar nicht, was man ansonsten dort machen soll. Konsequenterweise müsste man damit ja auch gleich Gedichte rausnehmen und das ist auch extrem schwer vorstellbar. Es gehört einfach dazu und ich finde das richtig. Wie du schon sagst, allein wegen der Allgemeinbildung.
      Die verschiedenen Perspektiven finde ich auch klasse. Deshalb wird ja auch immer wieder die Liste der "relevanten" Bücher erneuert. Es gab schließlich auch schon früher Bücher, die sich z.B. mit Feminismus beschäftigt haben, aber momentan wird das Thema mal wieder aktuell und da ist der Vergleich natürlich interessant. :)

      Löschen
  2. Also dem Punkt mit dem historischen Wert kann ich schon mal nur zustimmen. Aus einem Werk aus vergangenen Jahrhunderten kann man nicht nur rauslesen, wie die Umstände damals waren, sondern auch, wie sie für wen dargestellt wurden und wer mit Literatur wie beeinflusst werden sollte. ZB wurde in der DDR ja eine ganz bestimmte Art von Literatur gefördert. Oder Homer hat in der Illias und der Odyssee die Adligen immer heroisch dargestellt, da die Adligen auch die waren, die ihn finanziert haben. Alles sehr faszinierend.
    Deswegen finde ich, man sollte Klassiker auch ruhig in anderen Fächern lesen, zB in Geschichte. "Die Physiker" wäre aufgrund der Aussage vielleicht auch etwas für die Naturwissenschaften; immerhin geht es ja um die Verantwortung der Wissenschaft.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Stimmt! Das habe ich gar nicht bedacht, aber damit hast du natürlich recht.
      Ich bin ebenfalls der Meinung, dass sie oft auch in anderen Fächern passen würden. Beispielsweise "Ich bin Malala" könnte man auch gut im Unterricht unterbringen, sogar in verschiedenen Fächern. Ich habe das Buch zwar zugegebenermaßen noch nicht gelesen, aber ich kann es mir sehr gut vorstellen.
      Liebe Grüße!

      Löschen
  3. Liebe Jacquy,

    ich bin bei #litnetzwerk auf deinen Blog gestoßen.

    Das Thema der Klassiker ist wirklich interessant. Du hast es auf den Punkt gebracht, und ich stimme mit dir auch absolut überein: Es ist sehr wichtig, Klassiker zu lesen, denn die meisten von ihnen haben heute immer noch ihre Gültigkeit und werden die Zeit überdauern.

    Viele Grüße

    Rosa

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Schön, dass du mir zustimmst.
      Danke für deinen Kommentar! :)

      Löschen
  4. Ich finde es auch wichtig, dass bestimmte Bücher gelesen werden zum Beispiel der "Die Pysiker", aber ich finde es übertrieben Goethe zu lesen.
    Ich bin jetzt in der 11. Klasse und sowohl die Leistungskurse, also auch die Grundkurse haben als Pflichtlektüre "Faust 1". Ich finde das Buch schrecklich. Die Idee mit der Wette ist gut, aber die gesamte weitere Handlung finde ich einfach nur komisch und mir gefällt es auch nicht. Mal abgesehen davon, dass man Szenen manchmal 3x lesen muss, damit man versteht, was dort passiert. Außerdem frage ich mich immer wieder warum dieser Mann nicht einfach das geschrieben hat was er wollte, statt alles in Methapern und Reime zu verpacken.
    Besser finde ich dann die Variante die ich in der 10. Klasse hatte. Dort haben wir "Looking for Alaska" gelesen. Leider haben wir aber das Werk totanalysiert, aber das passiert ja auch mit den Klassikern.

    Lg, Lele von lifeofaboredgirl.wordpress.com

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Diese Klassiker, die völlig unverständlich sind, mag ich auch nicht und ich finde auch, dass man die in der Schule eher weglassen sollte. So ermutigt man die Schüler auf jeden Fall nicht zum Lesen und die meisten geben sofort nach ein paar Seiten auf. Das ist ja wohl nicht Sinn der Sache und sollte vermieden werden. Von Goethe habe ich zum Glück nicht Faust gelesen, sondern Iphigenie auf Tauris, was zum Glück leichter verständlich war. Fan bin ich trotzdem nicht von ihm und ich habe auch kein besonders Bedürfnis noch mal etwas von diesem Autor zu lesen :D
      Das totanalysieren kann einem sicher auch Bücher kaputt machen, die man eigentlich gerne gelesen hat. Bei Looking for Alaska kann ich mir aber vorstellen, dass man dazu einiges diskutieren kann und das wirklich interessant sein könnte.

      Liebe Grüße!

      Löschen
  5. Laut meiner Tochter 17., ist es wichtig Klassiker zu lesen, auch wenn sie die meisten furchtbar langweilig findet. Wie das jetzt zusammen passt weiß sie auch nicht. g
    Auf mehr freiwilliger Basis fände ich das gemeinsame Lesen eines Klassikers in der Schule für gut.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, genau das war auch meine Ansicht, bevor ich mir da für diesen Post mal mehr Gedanken drüber gemacht habe. Aber sie wichtig zu finden ist doch schon mal ein guter Schritt :)

      Löschen
  6. Zu Klassikern habe ich ein gespaltenes Verhältnis.

    „Deutschstunde“ hat bei mir ein kleines Trauma hinterlassen. Wie kann man seitenlang beschreiben, wie jemand aufs Fahrrad steigt? Aber Böll habe ich z. B. ganz gerne gelesen, weil einige seiner Stücke am örtlichen Theater aufgeführt wurden und man dadurch nochmal einen anderen Zugang bekommen hat.

    Das Konzept, die Schüler wählen zu lassen, wurde tatsächlich von einem Deutschlehrer umgesetzt (ich sage jetzt nicht, wie viele Jahrzehnte es her ist, dass ich zur Schule gegangen bin, ähem ...). Er ließ jeden frei wählen, welchen Klassiker er bzw. sie lesen wollte und man musste dann über dieses Buch ein Referat vor der Klasse halten. So bekamen wir schon mal den Inhalt von 30 Klasskern erzählt und näher gebracht.

    Und der Lehrer selbst hat uns immer mal von seinen eigenen Lieblings-Klassikern erzählt. Das hat er mit so viel Begeisterung gemacht, dass man dann schon Lust darauf bekam, sie selbst zu lesen.

    Vor allen Dingen hat das geholfen, die Hemmschwelle“ abzubauen, denn man erwartet bei Klassikern nicht unbedingt spannende oder unterhaltsame Lektüre, oder eine Lehre, die man auch heute immer noch für sein aktuelles (jugendliches) Leben daraus ziehen kann, sondern trockene Analysen und unverständlichen Text.

    LG Gabi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ah, schön dass das tatsächlich schon gemacht wurde und sogar funktioniert hat. Das stelle ich mir tatsächlich auch sehr viel angenehmer vor, als dass einem erst ein Buch und dann vielleicht sogar noch eine Interpretation aufgedrängt wird, die der Lehrer selbst am passendsten fand.
      Danke für deinen Kommentar!

      Löschen
  7. Wir haben bei uns in der Schule leider kaum Klassiker gelesen. :( Eher so Bücher wie "Die Welle". An "Das Tagebuch der Anne Frank" kann ich mich auch noch ganz gut erinnern. Jedoch wurden selbst diese Bücher kaum richtig besprochen und überhaupt wurde lesen in meiner ehemaligen Klasse als "laaaangweilig" abgestempelt, was ziemlich schade war.

    Liebe Grüße,
    Jasmin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wir hatten nur in den ersten Jahren "normale" Bücher, danach hatten wir jedes Jahr mindestens einen Klassiker, in der Oberstufe dann mehrere. Ich wusste gar nicht, dass das so unterschiedlich ist. Aber gut fanden die Lektüren bei uns auch die wenigsten.

      Löschen
  8. Hey!
    Ja, vielleicht hast du Recht, vielleicht ist es wichtig, in der Schule Klassiker zu lesen. Man muss in der Shcule ja viele Dinge machen, die man überflüssig findet, warum nicht also auch das? Ich persönlich muss dir allerdings in einem Widersprechen: Ich fand es nicht interessant, aus Klassikern was über frühere Epochen zu lernen. Ich fand die Klassiker, die wir lesen mussten (Faust, Werther, Andorra - mehr waren es zum Glück nicht) schon in der Schule überflüssig und totlangweilig und ich finde es auch immer noch. Wie gut, dass ich nie wieder in meinem Leben einen von denen in die Hand nehmen muss.
    LG
    Yvonne

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh, na das ist natürlich auch eine Ansicht. Kann ich auch gut nachvollziehen, ist also völlig okay. Muss ja nicht jeder interessant finden.
      Aber stimmt, man lernt vieles, was man später nie wieder braucht und es ist schwer zu entscheiden, was man davon trotzdem behandeln sollte und was dann doch überflüssig ist.

      Löschen
  9. Klassiker in der Schule? Es ist schon so lange her und an das einzige das bei mit wirklich hängen blieb war 'The Pearl". Vielleicht kommt es aber auch auf das Gesamtpaket an, wie wird gelesen und diskutiert. Trocken und sachlich oder in Kombination mit Aktionen, Ausflügen, Besichtigungen. Da liegt vieles in der Hand der Lehrerschaft und so ein bisschen ja auch bei den Schülern.
    Manchen liegt es, anderen nicht.
    Liebe Grüße und weiterhin viel Lesesaal
    Kasin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lesespaß, nicht Lesesaal...Wie peinlich

      Löschen
    2. Da hast du auf jeden Fall recht. In der Schule kommt es sowieso immer darauf an, welche Art von Lehrer man hat aber gerade bei Klassikern macht das wirklich einen Unterschied. Es ist schon was ganz anderes, wenn man merkt, dass der Lehrer selbst Lust hat und begeistert von einem Buch ist als wenn klar ist, dass es nur gemacht wird, weil es im Lehrplan steht und Pflicht ist.
      Macht doch nichts, Tipp- oder Autokorrekturfehler kennen wir doch alle :)
      Liebe Grüße!

      Löschen
  10. Hm. Ich habe Literaturwissenschaft studiert - Klassiker gehören also quasi mit zu meinem täglich Brot. Ich kenne aber das ewige Stöhnen der Erstis, wenn es mal wieder an einen Goethe geht und habe auch mit einem guten Freund, der meinte diese Texte würden heute nichts mehr bringen, schon sehr lange darüber diskutiert.
    Ich glaube, Klassiker sind auch heute noch sehr wichtig! Sie sind ersten Zeugen einer anderen Zeit und führen und dadurch auch in diese und ihre Besonderheiten ein. Zweitens aber sind die Stoffe und Motive, die in Klassikern genutzt wurden, auch heute noch wichtig und aktuell. Es gibt also zeitlose Elemente an Klassikern. Nicht zuletzt aber sind Klassiker ja qualitativ hochwertig. Und diese Besonderheit, der einmalige Stil, ist wichtig, um unseren eigenen zu verstehen und davon auch manchmal etwas Abstand zu gewinnen.

    AntwortenLöschen