Freitag, 14. Oktober 2016

[Rezension] Die Attentäter

Autorin: Antonia Michaelis
Verlag: Oetinger
Format: Hardcover
Seitenzahl: 448
Preis: €19,99
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Reihe: -

Inhalt:
Cliff, Alain und Margarete wohnen im gleichen Haus und kennen sich schon von klein auf. Sie sind beste Freunde, aber trotzdem sehr unterschiedlich. Cliff spürte schon immer eine gewisse Dunkelheit und Hass in sich, den seine Familiensituation nicht gerade linderte. So war es für niemanden wirklich überraschend, als er sich später verschiedenen Gruppen anschließt, aus denen Alain ihn zu retten versucht. Das hat er schon immer getan, aber möchte Cliff überhaupt gerettet werden?

Meinung:
Durch den Titel ist einem von Anfang an klar, worum es in diesem Buch geht und welche Wendung die Handlung nehmen wird. Wie es dazu kommt ist jedoch noch unklar. Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern die Zeiten und Perspektiven vermischen sich. So erfährt man etwas über jeden Lebensabschnitt von der Kindheit an bis zum Ende der Jugend. Zwar war das oftmals verwirrend, bis man aus dem Erzählten schließen konnte, wie alt die Charaktere in diesem Kapitel sind, aber trotzdem hat mir diese Erzählweise sehr gefallen.
Die Perspektiven lassen sich gut voneinander unterscheiden, da die beiden Protagonisten eine ziemlich unterschiedliche Stimme haben und man auch aufgrund der Gedanken und Handlungen sofort erschließen kann, in wessen Kopf man sich gerade befindet.

Die Charaktere sind sehr interessant und vielschichtig. Mir ist es nie ganz gelungen, Cliff zu durchschauen und seine Motive versteht man erst spät. Obwohl man aus seiner Sicht liest und damit zu einem gewissen Maß mitfühlen kann, ist er eine Hauptfigur, die man praktisch hassen muss. Durch seine Handlungen sorgt er für große Antipathie, aber trotzdem oder gerade deshalb war es spannend, aus seiner Sicht zu lesen und zu versuchen, ihn und seine Beweggründe zu verstehen.

Das Thema ist sehr ernst und sehr aktuell und das sollte einem beim Lesen bewusst sein. Das merkt man auch das ganze Buch über, da immer ein gewisser Druck vorhanden ist und die Geschichte keine wirklich witzigen oder lebensfrohen Passagen enthält. Es ist keine leichte Lektüre, die man nach dem Zuklappen des Buches wieder vergisst, sondern man wird gezwungen, noch lange darüber nachzudenken und die Geschichte schleicht sich einem immer wieder in den Kopf.
Mit der Thematik war ich bisher nicht besonders vertraut, aber die Autorin schafft es, alles authentisch und leicht verständlich darzulegen, auch wenn ich natürlich nicht beurteilen kann, wie nahe die Handlungen und gezeigten Abläufe an der Realität liegen.

Fazit:
Ein ernstes und aktuelles Buch, was einen nicht mehr loslässt. Ein interessanter Schreibstil und tiefgründige Charaktere sorgen für Spannung und eine gedrückte Atmosphäre, obwohl (oder vielleicht gerade weil) man schon am Anfang weiß, wie das Buch enden wird.
5/5 Punkten

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