Freitag, 27. Januar 2017

[abgebrochen] Die Vegetarierin


Autorin: Han Kang
Verlag: Aufbau Verlag
Format: Hardcover
Seitenzahl: 192
Preis: €18,95
Reihe: -


Inhalt

Yeong-hye beschließt ganz plötzlich, zur Vegetarierin zu werden und verbannt noch mitten in der Nacht alle tierischen Produkte aus dem Haus. Ihr Mann reagiert darauf mit Unverständnis und Wut, bekommt als Begründung allerdings auch nur "ich hatte einen Traum". Von diesem Moment an nimmt sie immer weiter ab und ihr Mann bittet sogar die Familie darum, ihr ins Gewissen zu reden, doch erfolglos.


Meinung

Dass Yeong-hye sich entschieden hat, Vegetarierin zu werden, scheint für uns im ersten Moment kein bisschen ungewöhnlich und auch eine Begründung würden wir wohl nicht verlangen. In Korea scheint das allerdings anders auszusehen, was die Reaktionen der verschiedenen Charaktere erklärt. Nicht nur ihre Familie mischt sich nun in ihre Essgewohnheiten ein, sondern auch bei Fremden muss sie sich nun mit Allergien oder Diäten herausreden. Wobei - nicht sie redet sich heraus, sondern ihr Mann. Der schämt sich nämlich unglaublich für das Verhalten seiner Frau und möchte sie immer wieder davon überzeugen, mit dem Unsinn aufzuhören. Das funktioniert allerdings nicht. 

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, aber wie ihr bereits im Titel seht, habe ich es nicht bis zum Ende durchgehalten. Etwa bis zur Hälfte bin ich gekommen und zu diesem Zeitpunkt war "ich hatte einen Traum" noch immer die einzige Erklärung, die man von der Protagonistin bekommt und man kann sie einfach absolut nicht verstehen oder sich in sie hineinversetzen.

Das Buch ist zunächst aus Sicht des Mannes geschrieben und ich fand ihn unfassbar unsympathisch. Er behandelt seine Frau einfach inakzeptabel. Zunächst ist es nur so, dass sie quasi eine Zweckehe führen und sie nur für ihn kochen soll, ansonsten haben sie aber nichts miteinander zu tun, aber nach und nach kommt raus, dass er betrunken auch gerne mal handgreiflich wird und sie vergewaltigt. Sorry, aber - tschüss!

Dann wechselt glücklicherweise die Perspektive, nämlich zu ihrem Schwager, dem Mann ihrer Schwester. Hier habe ich mich allerdings zu früh gefreut, denn viel besser hat mir diese auch nicht gefallen. Während ihr Mann sich ständig nur über Yeong-hye beschwert, sieht es hier ganz anders aus. Der Schwager - dessen Namen ich mir auch nicht gemerkt habe - spricht quasi 1 1/2 Stunden lang darüber, wie gerne er mit ihr schlafen möchte. Ja. Erst beschreibt er ausführlich, wie er sie sich nackt vorstellt, dann macht er sich an die Umsetzung und den Rest könnt ihr euch denken.
Die dritte Perspektive soll wohl die seiner Frau sein, soweit ich gehört habe, aber bis dorthin habe ich nicht durchgehalten.

Dieses Buch sah man vor einiger Zeit ja überall und ich habe vermutet, dass es irgendwie literarisch wertvoll ist und man etwas daraus mitnehmen kann. Es entspricht überhaupt nicht meinem Beuteschema und ich habe mich da nur von den Meinungen leiten lassen, aber leider kann ich diese kein bisschen nachvollziehen.
Natürlich kann es sein, dass am Ende alles aufgelöst wird und auch das Rätsel des plötzlichen Vegetarismus geklärt wird und vielleicht hätte es meine Meinung noch geändert, aber leider ist mir meine Zeit zu schade, mir vorher fast 4 Stunden Frauenverachtung und Sexvorstellungen anzuhören.
Wie erwartet spricht das Buch schon ernste Themen an, aber zum jetzigen Zeitpunkt war daran weder etwas aufklärendes, noch moralisch bildendes und somit hat mich dieses Buch einfach nur wütend gemacht.


Fazit

Wenn man bis zum Ende durchhält, erkennt man vielleicht einige Dinge, die mir jetzt verborgen bleiben müssen, aber bis dahin muss man sich einige Stunden extrem unfeministisches Gerede über die Protagonistin anhören und das hat mich zu wütend gemacht, um mich weiter damit zu befassen.

Kommentare:

  1. Hallo,
    ich habe das Buch nur so am Rande mitgekriegt, aber wirklich lesen wollte ich es nicht. Das hört sich jetzt auch nicht gerade prickelnd an und von daher wird es wohl auch von mir ungelesen bleiben :)
    LG Sonja
    Ich hoffe dein nächstes Buch gefällt dir besser !

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    1. Es scheint einfach sehr zu polarisieren. Entweder man ist begeistert, oder man kann überhaupt nichts damit anfangen und findet es shrecklich :D
      Tut es bereits, danke! :)

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  2. Hmm, kann es sein, dass kulturelle Unterschiede zwischen Deutschand und Korea mitspielen und wir deshalb auch das Besondere an diesem Buch nicht erkennen? Nach Deiner Beschreibung reizt es mich überhaupt nicht und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich irgendwann doch mal damit beschäftigen werde. Wahrscheinlich hätte ich es auch abgebrochen.

    LG Gabi

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    1. Die kulturellen Unterschiede gibt es ganz sicher und schon das mit der Zweckehe finden die Charaktere völlig normal, was es für mich nicht ist. Was die anderen Aspekte angeht, kann ich nicht sagen, wie üblich sie sind, aber daran dass ich sie nicht akzeptabel finde ändert es ja nichts.
      Ich habe schon gegenteilige Bewertungen gelesen, aber ich denke das Buch ist einfach zu speziell und auf keinen Fall dafür gedacht, wenn man "zum Spaß" liest und nicht gerne mögliche Gesellschaftskritik reininterpretiert etc.

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  3. Huhu!

    Zu diesem Buch habe ich schon sehr unterschiedliche Meinungen gehört und möchte es auch noch lesen, um mir meine eigene Meinung zu bilden! Aber ich glaube, dass es für mich auch kein einfaches Buch werden wird.

    LG,
    Mikka

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    1. Sich eine eigene Meinung zu bilden ist immer gut. Dann hoffe ich sehr, dass du zu denen gehören wirst, die es mögen!

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